85. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion
22. Juni 2026, 17:00 Uhr, ehem. Lagerfriedhof, Bevener Str. o.Nr., 27446 Sandbostel
Gedenkveranstaltung anlässlich des 85. Jahrestags des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion
Mit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 begann ein neuartiger Weltanschauungs- und Vernichtungskrieg. Von den mehr als 3 Millionen 1941 in Gefangenschaft geratenen sowjetischen
Soldaten starben bis Frühjahr 1942 etwa zwei Drittel. Bis zum Kriegsende sollten es insgesamt zwischen 4,5 bis 6 Millionen Gefangene werden. Die systematische Missachtung des Kriegsvölkerrechts
und der Massenmord an den sowjetischen Kriegsgefangenen gelten heute als eines der größten Kriegsverbrechen in der Geschichte.
Das Kriegsgefangenenlager Sandbosel durchliefen insgesamt etwa 70.000 sowjetische Soldaten. Sie waren unter katastrophalen Bedingungen untergebracht und den Kriegsgefangenen wurde jegliche
Unterstützung oder Hilfe vorenthalten.
Die Verstorbenen wurden anonym in Massengräbern auf dem Lagerfriedhof verscharrt. Bis heute ist die Zahl der in Sandbostel ermordet oder an Krankheiten und Mangelversorgung gestorben sowjetischen
Kriegsgefangenen nicht bekannt.
Aufgrund des unvermindert andauernden Angriffskriegs Russland gegen die Ukraine wird die Stiftung Lager Sandbostel der im Stalag X B gestorbenen Kriegsgefangenen, die aus allen sowjetischen Teilrepubliken stammen und vereint in Massengräbern ruhen, in kleinem Rahmen gedenken und einen Kranz niederlegen. Sie sind aber herzlich eingeladen an der Veranstaltung teilzunehmen.
22. Juni 2026, 18:00 Uhr, Kinosaal/Seminarraum 2, Greftstr. 5, 27446 Sandbostel
Vortrag Joshua Mathis Härtel
Zwangsarbeit zwischen Abfall und Aussortierung: Sowjetische Kriegsgefangene auf einem Bremer Müllplatz

Ab Herbst 1941 wurden sowjetische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter auf einem Müllabladeplatz an der Bremer Duckwitzstraße eingesetzt. Hier mussten sie im Dienste der nationalsozialistischen „Altmaterialverwertung“ Schwerstarbeit verrichten. Mehrere von ihnen verstarben in der Folge. Der Vortrag nimmt die Vorgänge in diesem besonderen Arbeitskommando in den Blick und verortet den hohen Stellenwert von Müllsammlungen und Müllsortierung im Kontext der Kriegswirtschaft. Zudem werden Verbindungen zu den Stammlagern Wietzendorf und Sandbostel sowie zum Bremer Kriegsgefangenenfriedhof an der Reitbrake deutlich. Neue Erkenntnisse aus der Recherche in digitalen Datenbanken geben Aufschluss.


Joshua Mathis Härtel ist Historiker und recherchiert zum Umgang mit sowjetischen Kriegsgefangenen. Er studiert im Master „Public History“ an der Universität Bremen. Als studentische Hilfskraft arbeitet er für die Landesarchäologie Bremen im Projekt „Kriegsgefangenenfriedhof an der Reitbrake“, als Honorarkraft für das Kreismuseum Syke und forschte jüngst in der Gedenkstätte Buchenwald. Für den 104. Band des Bremischen Jahrbuchs steuerte er einen Artikel zum Müllabladeplatz Duckwitzstraße während der Jahre 1941/42 bei.
3. Juni - 26. August 2026
Sonderausstellung
Vielleicht erlebe ich den Frieden noch. Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine
Gedenkstätte Lager Sandbostel, ehemalige Lagerküche B
Vom 3. Juni bis zum 26. August zeigen wir die Ausstellung "Vielleicht erlebe ich den Frieden noch" über Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine. Sie portraitiert Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine, zeichnet ihre Situation während des russischen Angriffskrieg nach und lässt sie mit ihren Befürchtungen und Hoffnungen zu Wort kommen.
23. April bis 30. Juni 2026
Sonderausstellung
Was trägt, wenn alles fehlt? Hoffnung durch religiöse Praxis im Kriegsgefangenenlager Stalag X B Sandbostel
Gedenkstätte Lager Sandbostel, Bernard Le Godais-Saal
Die Gedenkstätte Lager Sandbostel zeigt vom 23. April bis zum 30. Juni 2026 die von Selina Kaufmann im Rahmen ihres studentischen Praktikums erarbeitete Sonderausstellung zur Bedeutung von
Religion im Kriegsgefangenenlager Stalag X B. Zwischen 1939 und 1945 waren über 300.000 Kriegsgefangene aus ganz Europa und der Sowjetunion in Sandbostel interniert. Trotz Hunger, Zwangsarbeit
und strenger Überwachung durch die Nationalsozialisten spielte der Glaube für viele von ihnen eine ausschlaggebende Rolle zum (Über-)Leben im Kriegsgefangenenlager.
Die Ausstellung beleuchtet, unter welchen Bedingungen die religiöse Praxis im Lager möglich war – und geht außerdem darauf ein, wo sie eingeschränkt oder unterbunden wurde. Grundlage der
religiösen Praxis bildeten zwar internationale Abkommen, doch die Umsetzung und Einhaltung hingen stark von Nationalität, Rang und politischer Einstufung der Gefangenen ab: Während französische,
polnische oder italienische Gefangene eigene Kapellen einrichten konnten, waren sowjetische Gefangene aufgrund der rassistischen Ideologie der Nationalsozialisten weitgehend von Unterstützung
durch internationale Hilfskomitees ausgeschlossen – das betraf auch die religiöse Praxis.
Anhand von Fotografien, Zeitzeugenberichten und Objekten – darunter religiöse Kleinfunde aus dem Offizierslager, Darstellungen der Madonna sowie liturgischer Gegenstände – wird sichtbar, wie
vielfältig das religiöse Leben unter Lagerbedingungen war. Gemeinsame Gottesdienste, Chöre, Gebete und improvisierte Altäre gaben Halt, stärkten die Gemeinschaft und halfen vielen Gefangenen, die
Hoffnung zu bewahren.
Zugleich zeigt die Ausstellung die Ambivalenz der religiösen Praxis: Gottesdienste wurden durch die Wehrmachtssoldaten überwacht, Predigten wurden zensiert und bestimmte Gruppen wurden
systematisch benachteiligt.
Weitere Präsentationen der Ausstellung in verschiedenen Gemeindezentren im Landkreis Rotenburg (Wümme) sind geplant.
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NEU!
Ausstellungskatalog "trotzdem da" ab sofort erhältlich!
Ausführliche Veranstaltungshinweise, aktuelle Meldungen und das Pressearchiv finden Sie in der Rubrik Aktuelles
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